On the Road, zumindest ein bisschen

Dienstag, 8. Juli 2025

Der Jetlag ist fast überwunden. Frühstück noch einmal im Café Lulu, der Inhaber strahlt, als er uns sieht. Danach noch eine kleine Runde durch die Altstadt, die noch im Schlummer liegt. Als wir unser Gepäck in den Uber, Modell 3, packen wollen, stellen wir fest – geht nicht. Der Fahrer, Franko-Kanadier, schon reifer, steht wenig hilfreich nebendran. Schließlich landet ein Koffer auf dem Schoß von Kilian und Louisa und ab geht es zum Flughafen. Denn nur dort kann man in Kanada die Mietwagen holen und abgeben.

Für die nächsten Wochen sind wir in einem Chrysler Pacific S unterwegs. Fahrer und Fahrzeug fremdeln zunächst etwas, aber das bessert sich im Lauf des Tages. Es geht lange auf vielspurigen Straßen durch Montreal, dann zuckeln wir auf einer Landstraße am St. Lorenz-Strom. Schon besser. Wir staunen über die sehr unterschiedlichen Häuser, die – anders als die Vegetation, die ja sehr vertraut ist – doch anders aussehen, als in Europa.

Einkehr ist bei Iris du Fleuve, einem sehr gut besuchten Imbiss mit viel günstig-heiß-fettig am Straßenrand. Pinke Sitzbänke, eine Terrasse auf dem Dach, dazu passende Musik aus dem Radio. Großartig. Wir sind jetzt schon so froh, dass wir noch andere Seiten von Kanada sehen.

Weiter geht es, Stopp auf Hälfte der Strecke nach Quebec in Trois Riviers. Die ausgeschilderte Altstadt sucht man, wie auch stets in Australien, eher vergeblich. Ein paar alte Häuser, eine große Fußgängerzone mit Gastronomie an jeder Ecke. Eine geschlossene Kirche und ein Park voller Obdachloser. Wir gehen in einen kleinen Blumenladen, der auch Kaffee anbietet, ein sehr sympathischer Ort. Ein paar Menschen arbeiten am Laptop. Es gibt leckere, überdimensionierte Croissants und Karottenkuchen. Danach noch ein Abstecher zu Starbucks für überteuerte Kaltgetränken für die Rückbank – und wir ziehen weiter.

Unsere Unterkunft, Wyndam Travellodge, bietet ein großes sauberes Zimmer mit zwei Doppelbetten und eine krachlaute Klimanlage. Und sie liegt 20 Minuten außerhalb des Zentrums, weil es irgendwie kaum bezahlbares in der Innenstadt gab. Als wir am Abend Richtung (echter) Altstadt fahren wollen, lernen wir auch warum. Dabei ist der erste Eindruck von Quebec schon großartig: Sehr sehr grün, sehr gepflegt, schöne Häuser. Und ist es nicht cool, dass sie einen Teil der Straße für Radler und Fußgänger abgesperrt haben? Ist es nicht erstaunlich, wie viel Personal den Verkehr regelt? Und wie viele Menschen … Wir werden stutzig. Eine Googlesuche verrät uns: Sommerfestival. Konzerte. Und Tausende strömen in die Innenstadt. Da ist nichts mit kurz parken und bummeln.

Wir entscheiden uns schnell um: Nightwalk beim First Nation Museum, eine Kunstinstallation im nächtlichen Wald. Abendessen vorher bei einem Pizza-Takeaway, zwei monstergroße amerikanische Pizzen zum Preis von einer. Danach tauchen wir um 21.20 Uhr ein in sehr stimmungsvolle Licht- und Klanginstallationen im Wald, die das Leben des Volks der Huron-Wendat schildern. Die Schnaken stechen zwar, die Stiche jucken dann aber weniger als befürchtet. Gegen 23 Uhr sind wir sehr erfüllt im Hotel.