2. Januar 2026
Langsam lässt sich dieses Wetter nicht mehr schönreden. Es nieselt, es prasselt, es plätschert, es nervt. Außerdem wird es in der Ferienwohnung mangels Heizung inzwischen etwas frisch. Gut also, dass wir heute unseren Mietwagen holen können. Diesen haben wir über unsere auf den vergangenen Flügen gesammelten „Meilen“ gebucht – diese Meilen verfallen irgendwann und auf der Website konnte man mit eben diesen Punkten einen Mietwagen reservieren.
Natürlich dauert es eine Weile, bis wir aus dem Haus kommen. Aber immerhin finden wir – inzwischen schon etwas weiter unten in der Stadt positioniert – einen Uber-Fahrer, der uns zur Mietwagenfirma Richtung Flughafen bringt. Und dabei witzigerweise direkt an dem Mirador vorbeifährt, an dem uns in den vergangenen Tagen niemand aufgabeln wollte. Wir stehen selbstverständlich erst bei einem, ahem, Mitbewerber in der Tür und werden dann, leicht pikiert, zum benachbarten Verleih geschickt. Ups.
Klass Wagen ist zumindest heute fest in Frauenhand. Tatsächlich haben wir dank der Meilen-Buchung nur eine laue Mail – also keine Voucher, keine Versicherung, keinen zweiten Fahrer, nichts. Nachdem wir das alles dazugebucht haben, bleibt die Frage, ob der Weg über die Meilen wirklich ein Schnäppchen war. Aber egal, nun sind wir hier und steigen in unseren VW T-Cross, Automatik, und fahren mit einem Blick auf die Madeira-Wetter-App der Sonne entgegen. Zuvor hatte uns die Mietwagenfachfrau noch entschuldigend erklärt, dass dies wirklich ein außergewöhnliches Jahr sei – normalerweise sei es um den Jahreswechsel herum immer warm und trocken. „Aber zumindest beim Feuerwerk hat es nicht geregnet“, merkt sie lächelnd an und schaut zusammen mit der Reiseleitung nochmal auf diverse Webcams, um regenfreie Zonen zu finden.



Erster Stopp ist Canico, tief im Osten, mit Walfangmuseum und großem Frachthafen. Aber: Es strahlt die Sonne! Da viele Bars knallvoll sind, landen wir in einem ganz kleinen Laden namens Tasco do Samao, zahlen für unsere – zugegebenermaßen: trockenen – Sandwiches plus Getränken nicht einmal 20 Euro. Direkt hinter uns spielen reife Einheimische lautstark an einem Tisch ein Spiel, das Café ist wohl ein Treffpunkt im Ort.





Nächster Stopp: Der Zugang zur Halbinsel Ponta do Sao Lourenco, eine vierstündige Wanderung würde zur östlichen Halbinsel führen. Diese Wanderung war eine der ersten auf der Insel, für die man zahlen musste. Seit 1.1.2026 gilt das ja für fast alle, digital Zeitfenster buchen und bezahlen. Aber heute ist der Weg, vermutlich wegen der noch geltenden Windwarnung, mit Flatterband abgesperrt. Sogar mit einer Strafe von 2500 Euro bei Missachtung wird auf einem Schild gedroht. Was aber mehrere hunderte Wanderer, die wir aus der Ferne sehen, wohl nicht abgehalten hat. Als wir dort sind, positionieren sich gerade zwei Parkwächter in Shorts und Leibchen und halten die jetzt eintreffenden Wanderer vom Weg ab. Wie lange das noch dauert und warum eigentlich wissen sie jetzt auch nicht so genau, aber …







Wir genießen die Sicht und den milden Wind, dann ziehen wir weiter zum nächsten Aussichtspunkt. Sagenhafter sonniger Blick auf die andere Seite der Steilküsten, Popcornkino beim Betrachten der Fahrkünste einiger Einparkender. Es ist ziemlich was los, aber vermutlich noch lange nicht so viel, wie wirklich los sein kann.



Nächster Blick auf die App, weiter geht es in den – sonst oft regnerischen – Norden, nach Porto da Cruz. Das Wetter hält! Gerald findet einen Parkplatz, wir gehen einen kleinen Rundweg um einen Felsen, bewundern Gesteinsformationen, ein Blowhole, durch das Wasser schießt, und den vierten Regenbogen des Tages. Als wir im Praca Velha für ein paar kleine Speisen einkehren, prasselt kurz der Regen, hört aber schnell wieder auf.







Gegen 18.30 Uhr sind wir in der Ferienwohnung, unser Auto ist … Einigermaßen legal eine Straße weiter geparkt. Und es als wir nach Funchal gekommen sind, hat es natürlich geregnet.
Da es unser letzter Abend in der Stadt ist, ziehen wir vor allem auf Wunsch von Kilian nochmal los. Auf dem steilen Weg bergab bekommen Louisa und Nicole auf einmal Licht aus dem Handy einer jungen Portugiesin – sie sollen doch bitte gut aufpassen, es ist rutschig. Als man ihr den Weg frei machen will, lacht sie nur – sie sei das doch gewohnt! Und ist schnell in der Dunkelheit verschwunden. Wir schlendern durch den Weihnachtsmarkt, nochmal zum großen blinkenden Christbaum am Kai. Dort ist inzwischen die Bühne abgebaut, auch die Maroniverkäufer fehlen. Die Jungs entscheiden, dass wir Richtung Hotelzone laufen, dort waren wir noch nicht. Also ein paar Kilometer am Meer entlang, Fotostopp beim Inselheiligen Cristiano Ronaldo. Dann einen steilen Berg hoch an teuren Hotels vorbei, doch nicht in eines der Restaurants direkt vor Ort, aber in einen kleinen Italiener. Unverwüstlicher Italopop dröhnt aus den Lautsprechern und es gibt Salat!!!! Grünzeug! Plus Pizza und Nudeln und Tiramisu. Ein schöner Abschluss. Als wir den Berg zu uns hochlaufen fängt es wieder an zu tröpfeln. Immerhin 16.000 Schritte, gut 13 Kilometer.








