Zwischen Waldbrand und Wasserlauf

6. Januar 2025

Ein kühler, nieseliger Vormittag. Ideal um Mathe zu lernen, einen Krimi fertig zu lesen, Kaffee zu trinken. Aber dann … Hat die Reiseleitung die Faxen dick. Nicht nur, dass man sich seit dem 1. Januar für fast alle Wanderwege vorab digital registrieren muss und pro Person über 12 Jahren 4,5 Euro zahlen – es sind auch noch fast alle Wege in der näheren Umgebung gesperrt, wegen Waldbrandschäden, Sturmschäden und überhaupt. Und auf diese Wetterapp ist ja irgendwie auch kein Verlass. Also: Einen Wanderweg tief im Südwesten aussuchen, den man nicht buchen kann oder muss. Und auf gut Glück nach Ponta do Pargo fahren, den westlichsten Ort der Insel.

Und: Es gibt blauen Himmel! Sonnenschein! Dazu zwar eine steife Brise, aber da sind wir unkritisch. Zuerst geht es zum höchstgelegenen Leuchtturm Portugals, auf 312 Metern. Wir blicken Richtung Azoren und Kanada und bestaunen das aufgewühlte Meer. Dann, ebenfalls ohne echten Plan, nur wegen des Schildes, zum Aussichtspunkt Garganta Funda – mit 140 Metern Höhe einer der höchstgelegenen Wasserfälle der Insel. Auf dem Weg dahin wird eine Kuh geknuddelt, wir bewundern die Aussicht – langsam wird das was.

Dann geht es zu einer einfachen Levadawanderung, die komplett übe 17 Kilometer lang wäre. Aber wir ziehen einfach mal los und drehen dann wieder um – was auch nicht so schmerzt, es ist einer der blasseren Wanderungen. Trotzdem faszinierend: Der Anfang führt durch ein ehemaliges Waldbrandgebiet und mutet dank Farn und Eukalyptusbäumen sehr australisch an. Dann geht es an einem der neueren Wasserkanäle entlang – vorbei an einem kläffenden Hund, der sich wie ein aggressives Stofftier in der Tür verbeißt. Über/Unter einen störrischen Baumstamm, unterhalb einer sehr gruseligen Leine, an der Stofftiere baumeln. Der Wind ist langsam doch etwas lästig, aber wir wollen nicht klagen. Nach knapp eineinhalb Stunden drehen wir wieder um.

Zum Abendessen fahren wir dann durch nach Calheta, endlich ist die Küstenstraße nicht mehr gesperrt! Im Sonnenuntergang beobachten wir Schwimmer, Angler, Jogger und haben schließlich die Qual der Wahl zwischen den vielen Restaurants an der Uferpromenade. Wir landen in einem Italiener, der schließlich die bestbesuchte Einkehr im Ort ist. Immerhin 15.000 Schritte, da ist die Pizza verdient.