Eine besondere Wanderung an einem besonderen Tag

8. Januar 2026

… Kerzen hatten wir zwar dabei, aber irgendwie kein Feuerzeug. Doch es ist ja der Gedanke, der zählt: Kilian feiert seinen 18. Geburtstag und empfindet den schulfreien Tag als besonderes Geschenk. Und der junge Mann hat einen Wunsch: Er will den Pico Ruivo erklimmen.

Der mit 1861 Metern höchste Berg der Insel befindet sich eineinhalb Stunden Fahrt entfernt. Aber die Wetterapp verspricht gute Sicht und so wagen wir es. Erst sieht es so aus, als wären kaum Wandererautos unterwegs. Doch dann kommen wir gar nicht bis zum Parkplatz Achado do Teixeira – die Fahrzeuge stehen schon am Straßenrand. Wir reihen uns ein und laufen schonmal ein Stück den Berg hoch. Beim Einstieg in den Weg stehen schon die Mitarbeiter der Behörde bereit, um geduldig bei der Registrierung in der neuen App, beim Buchen des Weges und der Bezahlung zu helfen. Geht dann doch recht zügig, kostet für uns vier 18 Euro (viermal 4,5 Euro) und los geht’s.

Der Weg ist nur 2,8 Kilometer lang, allerdings sind 400 Höhenmeter zu überwinden. Es ist viel los: Ein – vor allem deutsch-portugiesischer – Ameisentrail führt stetig bergan. Stellenweise künden eisige Stellen noch von einer kalten Bergnacht. Und nachdem auf der Fahrt nach oben noch dicke Wolken die Sicht verdeckten, reißt es jetzt auf: Wir sind über den Wolken, zeitweise gibt es sogar Sicht auf den Pico de Arieiro. Das Panorama ist sagenhaft und die Fotostopps eine gute Gelegenheit, zwischendurch mal tief Luft zu holen. A bisserl anstrengend ist der Aufstieg ja schon.

Um 13.30 Uhr sind wir auf dem Gipfel, die Sonne strahlt, der Geburtstagssohn auch. Wir bewundern ausgiebig die Aussicht, füttern die kleinen Vögel, lassen uns fotografieren und fotografieren andere Wanderer. Danach geht es wieder nach unten. Bis wir an Parkplatz und Einkehr sind, sind dort viele Autos schon weg. Es gibt spätes Mittagessen, mit Burgern und Quiche in der Sonne.

Danach geht es durch inzwischen dicke Wolken nach Santana, noch ein bisschen Kultur schnuppern. In der Kirche ist noch viel Weihnachten mit Krippe. Während in Lissabon der Zauber am 6. Januar vorbei war, ist hier kein Ende in Sicht. Wir tippen jetzt auf Mariä Lichtmess. Im Ort gibt es noch an die 100 historische Casas die Colmo mit Strohdach, in vielen davon wird jetzt Nippes verkauft. Die Reiseleitung stolpert alleine in eines und bekommt direkt einen Likör in die Hand gedrückt: Ein älterer Herr zeigt das Haus seiner Großeltern, das Bett, in dem er geboren wurde, die weiteren Räume – durchaus spannend.

Doch vor uns liegt noch über eine Stunde Rückfahrt und wir sind ziemlich müde. Also noch ein Blick auf einen Leuchtturm und einen Aussichtspunkt, dann übernimmt Nicole das Steuer bis Calheta. Wir bewundern den Sonnenuntergang und gehen an der Promenade wieder in der Pizzeria essen. Voller Mitleid für das benachbarte Restaurant, an dem irgendwie niemand an einem Tisch sitzt. Gegen 21 Uhr sind wir zurück in der Vila, müde und glücklich.