Samstag, 11. Juli 2026

Wir sind zwar mitten im grünen Nichts, aber deshalb ist die Nacht noch lange nicht ruhig: Eichhörnchen meckern sich auf den Bäumen an. Und dann gibt es noch dieses Schwalbennest voll mit hungrigem Nachwuchs direkt vor unserem Fenster – die Kleinen machen ziemlichen Lärm, wenn Mama mit einem Schnabel von Würmern angeflogen kommt. Die Eltern Schwalbe ihrerseits beäugen die neuen Nachbarn – also uns – sehr kritisch und drehen beim Landeanflug lieber zwei Extrarunden, wenn sie sich beobachtet fühlen.



Das Frühstück in der Black Cat Mountain Ranch ist wunderbar. Eier, Speck, Kartoffeln, Toast, Marmelade, Joghurt, Obst, Kuchen gibt es am Buffet. Danach plaudert sich Nicole beim Eigentümer Perry – der irgendwie eine kanadische Version unseren australischen John zu sein scheint – fest und macht das Programm für die kommenden zwei Tage klar. Nach dem großen Feuer 2024 sind die Schwarzbären übrigens gen Norden gezogen und leben jetzt auch verstärkt hier in der Gegend. Perry fackelt nicht lange und drückt Nicole neben ein paar Wanderkarten auch direkt ein Bärenspray in die Hand. Er selbst hat übrigens in den vergangenen 50 Jahren noch nie eines verwendet.
Das Wetter hält sich an den Bericht: Strömender Regen. Als wir Richtung Lake Maligne fahren, was immerhin eineinhalb Stunden dauert, fällt das Thermometer sogar auf 7 Grad. Aber im Auto ist es ja wohlig warm. Durch die Scheiben sehen wir erneut die Verwüstungen, die das Feuer angerichtet hatte. Die Straßen sind ziemlich leer, aber auf den Parkplätzen unterwegs sehen wir schon, dass noch viele andere den Weg zu den Seen gefunden haben.

Am Lake Maligne mit seiner Insel Spirit Island – ein Postkartenmotiv im türkisfarbenen See vor der Bergkulisse – sind die ersten zwei Parkplätze schon knallvoll, aber wir finden noch ein Plätzchen. Direkt am Zugang zum See informiert ein Stand des Nationalparks: Ein Weg ist derzeit geschlossen, eine Grizzlymama kümmert sich dort um ihre beiden Jungen und soll im Interesse aller Seiten nicht gestört werden. Aber der Mary Schäffer-Weg, den wir sowieso geplant hatten, wäre kein Problem. Wir ziehen also am Seeufer los, genießen den Ausblick – inzwischen hat der Regen ja aufgehört und wir sind warm eingepackt. Doch dann taucht mitten auf dem Weg ein Schild auf, daneben zwei Nationalparkmitarbeiterinnen: Auf dem Mary-Schäffer-Weg wurde recht frisch eine Schwarzbärenmama mit zwei Jungen gesichtet – bitte nur bis zum Aussichtspunkt gehen. Ob wir Bärenspray dabei haben und über Bären informiert sind?






Gerald und Kilian haben jetzt auf dem Weg zum Aussichtspunkt viel Spaß mit ihren beiden Bärenängstlichen. Wobei tatsächlich noch recht viele Wanderer auf dieser Strecke unterwegs sind. Aber egal: Gerald bekommt das Spray in die Hand gedrückt, dann wird zum Aussichtspunkt gesaust, ein Blick auf den See geworfen, die Infotafeln ignoriert und dann geht es husch-husch wieder nach unten. Kilian und Gerald fügen sich in ihr Schicksal, auch wenn sie die Aufregung natürlich überhaupt nicht verstehen können. Am Warnschild hat inzwischen das Team gewechselt und Nicole hört gebannt zu, als sich eine holländische Familie informiert. Da wird das Spray vorgeführt, Verhaltenstipps werden gegeben – tatsächlich immer wieder laut „Hallo Bär“ rufen, was Nicole gerne aufgreift und die drei anderen sehr peinlich berührt – und eine Bärenfachfrau empfiehlt eine andere schöne Route am See.
Aber vorher schauen wir uns noch um. Eine Bootsfahrt zum Spirit Island, das man aber nicht betreten darf, würde uns ungefähr so viel kosten, wie die walfreie Walfahrt im vergangenen Jahr auf dem Sankt-Lorenz-Strom – danke, nein. Aber die Boote sind auch so gut besucht, gerade mit Reisegruppen aus Indien. Es gibt drei Speiselokale/Bistros zur Auswahl, wir gehen ins Waffelhaus. Danach peilen wir den Moose Lake Loop, einen Rundweg auf der anderen Seite des Sees an. Dort soll es viele Elche geben. Aber Achtung, übrigens, wenn eine Elchmama mit ihren Jungen unterwegs ist. Dann viel Abstand halten, denn auch diese Mamas verstehen überhaupt keinen Spaß.




Der Elchweg ist natürlich gut besucht – klar, die verhinderten Wanderer – und führt schön durch den Wald und an den See. Der übrigens wirklich Idylle pur ist, vor allem, nachdem jetzt auch noch die Sonne strahlt. Eine Extrarunde brechen wir ab, weil der Regen vom Vormittag dan Weg komplett vermatscht hat. Einen Elch haben wir übrigens beim Wandern nicht zu sehen bekommen, aber vorher schon eine sehr süße kleine Maus. Und neben der Straße sehen wir später vom Auto aus eine entspannte Elchdame und später eine Dichhornschaf mit schön gedrehten Hörnern.







Auf dem Rückweg halten wir im Medicine Lake, dessen stark schwankende Pegelstände noch immer nicht komplett erforscht sind. Eine Seite des Sees ist gerade gesperrt: Brütende Seeadlermamas, die nicht gestört werden sollen. Dafür treffen wir auf zwei wirklich super niedliche Murmeltiere, die sich auch in Ruhe fotografieren lassen. Es gibt noch ein paar weitere Stopps, dann sind wir wieder in Jasper.







Abendessen im Olive, Burger, Muscheln, Suppe und ein dickes Trinkgeld für den angehenden Studenten, der mit seinem Geplauder die gesamte Kundschaft unterhält. Auf dem Weg zur Black Cat Ranch sind wir zu früh dran, außer einer Herde Ziegen lässt sich noch kein Tier blicken. Aber dafür sind wir auch schon um 20.30 Uhr zurück.


