Donnerstag, 9. Juli

Ein weiterer heißer Tag am Okanagan Lake. Doch heute reißen wir uns von unserer Ferienwohnung, der Terrasse und der Klimaanlage los: wir haben eine Fahrt mit der Dampflok gebucht. Die Kettle Valley Railway fährt noch auf einem Stück den alten Gleisen von vor über 100 Jahren, ein Großteil der Trasse ist inzwischen zu einem Radweg umgewandelt worden. Wir brauchen eine knappe Stunde, bis wir am Bahnhof angekommen sind. Während die Hügel rund um den See sonnenverbrannt wirken und an Kreta oder Kroatien erinnern, ist das Tal der Früchte – dafür ist die Region bekannt – grasgrün und blühend.
Am Bahnhof selbst muss man die Internet-Tickets noch in Papiertickets umwandeln, es gibt einen kleinen Shop mit Kaffeemaschine, einen großen Picknickbereich und natürlich Sanitärräume. Denn im Zug gäbe es nur ein Notklo von 1940, wie eine Bahnmitarbeiterin mahnend anmerkt. Es gilt offensichtlich wieder das Prinzip, das weltweit bei allen alten Dampfloks zu gelten scheint: Sehr viele Ehrenamtliche sind im Dienst, alle mit hoher Begeisterung. Der Zugführer in Uniform ist eher ein Entertainer und plaudert am Mikro die Fahrt durch, weist auf Sehenswürdigkeiten hin und stimmt Ständchen für die Geburtstagskinder an Bord an. Beim Stopp gibt es die Gelegenheit zum Fotoshooting.






Wir sitzen in einem offenen Wagen und die Reiseleitung gratuliert sich selbst dazu, vorher gründlich recherchiert zu haben. Denn wir sitzen auf der linken Seite und haben damit auf der Hin- und Rückfahrt Blick auf das grüne Tal. Um 12 Uhr geht es los, zirka 45 Minuten lang, dann gibt es einen kleinen Stopp an einer Eisenbahnbrücke, um 13.30 Uhr sind wir pünktlich zurück. Der Zug ist ausgebucht. Es gäbe übrigens auch Fahrten, bei denen ein (regional bekannter) Zugüberfall nachgestellt wird, aber darauf haben wir dankend verzichtet.







Danach steuern wir das „Dirty Laundry“-Weingut an, das wir von der Strecke aus gesehen haben und das eine schöne Blick über das Tal bietet. Allerdings hatten nicht nur wir diese Idee: Der Parkplatz ist knallvoll, gerade blinkt auch ein Rettungswagen in der Einfahrt. Wir müssten eine Stunde auf einen Tisch warten – und ziehen dann lieber weiter.

Auf dem Rückweg nach West Kelowna halten wir spontan am Weingut Fitzpatrick Family, das sehr attraktiv über dem See liegt. Es hätte übrigens gefühlt noch 100 andere Weingüter gegeben, viele davon inzwischen Investments zum Beispiel von Dating-app-Entwicklern oder preisgekönte Häuser. Überall kann man für recht wenig Geld Wein probieren. Fitzpatrick hat den Charme, dass wir dort erst einmal noch im Bistro mit bestem Blick etwas essen können. Inzwischen sticht die Sonne vom Himmel. Wir teilen uns eine Weinprobe und einen extra Gewürztraminer, der hier so viel leichter und weniger süß ist, als in Franken.








Wegen der Hitze und weil wir nochmal waschen müssen wird der Programmpunkt „Spaziergang an der Waterfront in Peachland“ gestrichen. Wir kaufen noch kurz fürs Abendessen ein und fahren zurück. Am Abend plaudern wir noch eine lange Runde mit Linda und Brent, die sich zunächst gesorgt hatten, dass die Teenagerparty im Nachbarhaus (Eltern verreist) für uns zu laut sein könnte. Aber alles kein Problem, bald ist es wieder ruhig.