Icefield Parkway: Wenn der Weg das Ziel ist

Montag, 13. Juli 2026

Nach einer kühlen Nacht mit 7 Grad und einem lauten Güterzug – beides bei offenem Fenster – gibt es um 8.30 Uhr Frühstück. Noch ein kleiner Plausch mit Perry und um 10 Uhr sind wir unterwegs. Erstmal eine Stunde nach Jasper, dann biegen wir ab auf den Icefield Parkway. Die 233 Kilometer lange Straße zwischen Jasper und Lake Louise gilt als eine der schönsten Panoramastraßen der Welt, wir sind also gespannt.

Zunächst: Noch viel verbrannter Wald. Das Ausmaß des Brandes von 2024 beeindruckt uns jeden Tag aufs neue. Auf der Straße ist nicht viel los, wie das Fahren hier sowieso meistens sehr entspannt ist – Tempolimit, wenige Fahrzeuge. Als wir zu den Athabasca-Fällen kommen ist der Parkplatz allerdings schon wieder dicht belegt. Der Wasserfall selbst tost und stäubt, es gibt einen kleinen Rundweg, alles wunderbar. Und so vergeht schon am Anfang schnell die Zeit …

Kleiner Stopp bei einem Aussichtspunkt auf den Fluss. Es gibt übrigens sehr viele Parkplätze, fast alle mit Toiletten (Plumpsklos), aber so gut wie kein Netzempfang. Und es gibt einige wenige Orte zum Einkehren, wie bei den Sunwapta Falls. Dort stoppen wir gegen 13 Uhr, es gibt in der Lodge unter anderem einen einheimischem Rindfleischeintopf – eine gute Abwechslung zu Burger und Co. Noch ein Spaziergang zum Wasserfall und weiter geht’s.

Wir lassen inzwischen einige Aussichtspunkte aus, denn der Höhepunkt wartet: Das Columbia Icefield, ein Bereich, in dem man ganz nahe an einen Gletscher herankommt, der sich seit der ersten Dokumentation 1905 schon sehr weit zurückgezogen hat. Es gäbe auch noch einen teuren Busshuttle, der zu einer Aussichtsplattform und auf das Eis selbst führt – aber nicht nur angesichts der gefühlt kilometerlangen Warteschlangen verzichten wir gerne. Dafür laufen wir selbst so weit es geht an den Gletscher heran und sind beeindruckt.

Um 15.45 Uhr Uhr reißen wir uns los. Es liegen noch etwas 200 Kilometer bis zu unserer Unterkunft vor uns. Die Landschaft mit immer neuen Bergriesen, weiteren Gletschern bleibt atemberaubend und wir zuckeln mit 90 Stundenkilometern vor uns hin. Der Lake Louise ist inzwischen rettungslos überlaufen, liest man, und der Peyto Lake wird gerne als eine Alternative gepriesen. Ist allerdings schon lange kein Geheimtipp mehr. Aber auch hier finden wir eine Parklücke und nehmen dann den schnellen, steilen Weg bergauf. Der See selbst leuchtet unglaublich türkis und lohnt alle Mühen. Louisa und Nicole haben danach noch einen Blitzaufenthalt auf dem schlimmsten Klo ihres Lebens. Die Blicke, die sich die Nutzer jeweils beim Betreten und Verlassen der Kabinen zuwerfen, können Völker verbinden.

Dann steuern wir unsere Unterkunft in Harvey Heights an, einen Weiler zwischen Banff und Canmore und sind nach knapp 400 Kilometern Fahrt in unserem schmucken kleinen Reihenhaus angekommen. Über den Preis einer Übernachtung mitten in den Rockies zur Hauptsaison schweigen wir an dieser Stelle still. Aber die Gegend ist ja auch im übertragenen Sinne unbezahlbar.

Zum Abendessen fahren wir nach Canmore in einen fröhlichen, lauten Pub namens „The Drake screaming Retriever“, was an einen Apportierhund erinnern soll. Wir sitzen auf der Terrasse und genießen den Blick auf die Berge, während im Hintergrund ein Junggesellinnenabschied tobt und am Billardtisch gespielt wird. Danach huschen wir noch kurz in einen Lebensmittelladen, bevor dieser um 22 Uhr schließt. Draußen ist es dank der Zeitverschiebung noch hell.