Fensterputzer, Markttreiben und Luxushotel

Mittwoch, 15. Juli 2026

„Men in Kilts“, „Männer in Schottenröcken“ lautet der Name einer Fensterputzfirma, die wir am Tag zuvor schon bei der Durchfahrt von Canmore entdeckt hatten. Gegründet wurde das Unternehmen 2002 von einem Schotten in Vancouver (vermutlich nach einer durchzechten Nacht), inzwischen ist es an 50 Orten in Kanada vertreten. Und tatsächlich rückt am Morgen ein großer Putztruppe im Kilt auch an unserer Wohnanlage an. Und ein armer Putzmann ließ sich fotografieren, auch wenn er dabei ehrlicherweise nicht ganz glücklich wirkte …

Das Örtchen Banff mit seinen gut 11.000 Einwohnern zählt aktuell jährlich über 4 Millionen Touristen. Da wir von dort morgen auf große Tour gehen, wollen wir uns lieber schonmal vorab ansehen, wie das mit den Parkplätzen funktioniert. Rund um den Bahnhof gibt es inzwischen 500 Stück, auf denen man kostenlos 6 Stunden parken darf. Doch bis wir um die Mittagszeit eingetrudelt sind geht da nichts mehr. Entnervte Fahrer zuckeln im Kreis und hoffen auf Ausparker, aber die gibt es um diese Uhrzeit noch nicht. Wir fahren also noch ein Stückchen weiter raus und stellen unseren Ford auf einem Wanderparkplatz ab. Fußweg zum Bahnhof knapp 10 Minuten, das sollte morgen notfalls klappen.

Aber heute führt uns der Weg am Bow River entlang in den Innenort, in dem nicht so viel los ist, wie der Parkplatz vermuten lässt. Wir schmunzeln über die Parkwächter, die Parksünder streng ahnden oder sogar ein Fahrzeug bewachen, bis der Fahrer wieder kommt – denn auf ihren Westen steht: Peace Police, die Friedenspolizei. Im Wildflower Café gibt es sehr guten Kaffee (das ist hier stets ein großes Glück) und feine Croissants. und einen kleinen Spatz, der sich verflogen hat. Dann bummeln wir durch den Farmers Markt, der zufällig heute stattfindet. Neben Kunsthandwerk und Essensstanden gibt es auch echte Markstände mit Gemüse und Musiker, die ihr Glück versuchen. Ein sehr entspannter Ort, auch wenn es etwas tröpfelt.

Danach steuern wir die Casacade Gardens an, ein hübscher, kostenfreier Park, der um die Nationalparkverwaltung angelegt wurde. Es geht über den türkisfarbenen Fluss, wir bewundern die angeschwemmten Baumstämme an einem Pfeiler. Kaum haben wir den kleinen Park betreten, fängt es richtig stark an zu regnen. Zusammen mit anderen Touristen stellen wir uns in einer kleinen Holzhütte unter und warten ….

Es dauert eine Weile, dann kommt die Sonne wieder durch und es ist heiß. Das nächste Ziel lautet Banff Springs Hotel, eines der großen Bahn-Luxushotels, die um 1888 für die Gäste der Canadian Pacific Railways erbaut wurden. Zu diesen Hotels gehören auch das Château Frontenac, das wir letztes Jahr in Quebec bewundert haben, oder das Express Hotel in Victoria, vor dem wir neulich erst standen. Das Hotel in Banff war zunächst ein Holzbau, brannte 1926 ab und wurde 1928 aus Stein wiedereröffnet. Witzigerweise weisen die Fenster der Luxuszimmer aufgrund eines Baufehlers nicht auf den spektakulären Bow River, sondern auf den Sulphar Mountain.

Die Reiseleitung hat eine etwas abgelegenere alternative Route zu Fuß gewählt und bangt etwas, da das Bärenspray Zuhause gelassen wurde. Nicht nur sie hofft, dass das Klatschen und Rufen bis zu den nächsten Wanderungen im Pfälzerwald wieder abgelegt wird … Aber kein Bär in Sicht, nur viele kleine Hörnchen, die über die Wiesen und durch die Wälder huschen. Im Hotel selbst erfahren wir, dass es die selbstgeführte Erkundungstour nicht mehr gibt, vermutlich, weil es schlicht zu viele Touristen gab. Aber wir dürfen uns gerne in bestimmten Bereichen umsehen. Es gibt ein Stockwerk mit schicken Luxusläden, den „geheimen Garten“ und einen sagenhaften Ausblick von der Terrasse auf den Bow River und die Berge. Etwas irritierend ist dabei, dass dieser Ausblick auch den Blick auf den Pool beinhaltet – will man für dieses teuere Geld wirklich im Bikini auf sämtlichen Touristenbildern sein?

Nicole und Kilian steuern auch noch die coole Rundle-Bar an, bei der sich auch noch ein Raum hinter einer – okay, nicht ganz so geheimen – Tür verbirgt. Dort wird gerade über das Spiel England-Argentinien gejammert, wir fühlen mit. Kilian dürfte übrigens mit 18 in Alberta wieder Alkohol trinken, in British Columbia ist die Grenze bei 19 Jahren und er hätte zudem den Pub am See früher verlassen müssen (was ihn angemessen empört hat. Nicht wegen des Alkohols. Aber er ist doch erwachsen!).

Noch ein paar halblegale Blicke in ein paar Ecken des Hotels, noch ein halblegaler Weg nach unten und wir sind am tosenden Bow River, zusammen mit sehr vielen anderen Menschen. Ob sie aus aller Welt kommen oder einfach nur aus Kanada ist gerade bei den Chinesen und Indern schwer zu sagen – denn das ist hier der sogenannte Migrationshintergrund. Am Fuß entlang, durch einen schönen Wald, geht der Weg zurück zum Markt. Dort futtern wir uns einmal quer durch das Essensangebot und nach 14.000 Schritten geht es erstmal zurück in die Ferienwohnung.

Zum Abendessen geht es wieder nach Canmore. So schön unsere Ferienwohnung ist, wir können nicht draußen gemeinsam essen, deshalb ziehen wir das Bergpanorama in einem Biergarten vor. Ein kleiner Bummel durch den Ort, den wir sehr liebgewonnen haben und um den es nicht halb den Rummel wie um Banff gibt (gut, dafür gibt es hier auch kein Luxushotel usw), in ein zwei Läden und dann zum Grizzly Paw, einen Pub. Das Essen schmeckt, herausragend ist allerdings der Bohnenmus-Brokkoli-Teller mit Chimchurri-Soße und Haselnüssen. Noch ein Abstecher in den Supermarkt und wir sind mit einem wunderbaren Abendhimmel samt Bergsilhouetten auf dem Heimweg.