Zwei Stunden für 15 Kilometer

Samstag, 10. Oktober 2026

Die Reisevorbereitungen liefen trotz eines vollen Arbeitstags und einem Ausflug nach Mannheim viel zu entspannt. Um dennoch in die Reihe unserer Urlaubsvorabende zu passen verkündete Kilian gegen 23 Uhr, dass er nochmal dringend mit einem Kumpel um die Häuser ziehen und fettige Feinkost verkosten muss. Die Mutter reagierte entsprechend euphorisch und begrüßte das Vorhaben begeistert. Das vertraute Knistern lag wieder in der Luft. Als um 6 Uhr der Wecker ging gab es mehrere müde Blicke – aber wir waren kurz nach 7 Uhr unterwegs.

Da es in Strömen regnete und wir noch Kaffee von daheim mitgebracht hatten, fuhren wir einfach durch. Die Rückbank wechselte sich im Tiefschlaf ab und der erste Stopp war tatsächlich am Zugspitzblick. Aufgrund der Wetterlage gab es allerdings keinen Berg zu sehen. Und da die gleichnamige Gaststätte gerade geschlossen hat („technische Gründe“) und die Sperrung auch für die Sanitäranlagen gilt, sah das Waldgebiet nebenan entsprechend verwüstet aus. Denn einen Mülleimer gab es auch nicht mehr. Brrr.

Nach gut 3 Stunden Fahrt waren wir in Österreich, inklusive digitaler Pickerlbuchung. Sagenhaft. Um 13.30 Uhr hatten wir den Brenner überwunden und steuerten unsere traditionelle Bar Plose-Grill an für Kaffee, Limo und Hörnchen. Ach Italien … Und dann war das Glück vorbei. Denn an dieser Stelle kommt man von der Autobahn nicht mehr runter, auch wenn Google Maps bei einer ersten optimischen Schätzung eineinhalb Stunden für die restlichen 33 Kilometer verspricht. Wir rollen, wir stehen, wir jubeln, wenn wir 500 Meter am Stück zurücklegen. Im Radio spricht der Verkehrsfunk von „Arbeiten“, das Navi verkündet fröhlich, dass man sich dennoch auf der besten Route befinde. Danke für nichts.

Wir bewundern die Erdbeerplantagen in den Tunneln neben der Autobahn. Die kleinen Kirchen. Die Bahnstationen. Es wird geflucht und gelacht. Und irgendwann nach über 2 Stunden haben wir auch diese 15 Kilometer nach Brixen geschafft. Kilian hat den Supermarkt MPreis für uns ausgewählt – ein Laden mit einer feinen Auswahl, viel Lokales, viel Bio. Nur das blinkende Apothekenzeichen darüber fehlt, denn natürlich hat der Luxussohn wieder zielsicher einen exklusiven Shop gewählt. Während des Einkaufs benötigte Nicole eine Toilette und wurde in den Park mit der öffentlichen Einrichtung geschickt. Wie gut, dass sich dort auch ein cooles Restaurant befand, dessen WC es jetzt auch direkt in die Fotosammlung für die irgendwann geplante weltweite-WC-Fototapete geschafft hat…

Um 17.30 Uhr, über 10 Stunden nach der Abfahrt, steuern wir unser Ferienhäuschen in Vals an, oberhalb von Meransen, im Jochtal. Drei kleine Holzhäuschen stehen unterhalb eines Bauernhofs, Vermieter Manfred kommt uns schon in Begleitung eines kleinen humpelnden Ponys namens Ostwind entgegen. Unterhalb der Terrasse grasen zwei Pferde, im Stall mäht eine kleine Schafherde. Wir fühlen uns sofort wohl.

Zum Abendessen gibt es das Picknick, das heute mangels Regen ausgefallen ist. Der Holzofen wärmt, bevor er anfängt zu qualmen. Wir spielen Uno, von der Terrasse sieht man den Sternenhimmel. Und morgen bleibt das Auto erstmal stehen.