Sonntag, 28. Juni 2026
Wir schlafen tief und fest, erst ab 5 werden wir nacheinander langsam wach, Frühstück ist um 6.30 Uhr. Gemütlich duschen und gegen 8.30 Uhr ziehen wir los, Richtung Hafen. Kleine Eichhörnchen/Hörnchen kreuzen unseren Weg, ansonsten sind um diese Uhrzeit vor allem Eltern mit kleinen Kindern, Hundebesitzer oder Jogger unterwegs. Und die Pflegekräfte der nahegelegenen Klinik, die draußen rauchen. In der Foodhall gibt es noch einen kleinen Snack – die regelmäßige Zufuhr von Kohlenhydraten hilft definitiv bei der Bewältigung des Jetlag. Draußen sehen wir schon eine lange Warteschlange vor einem Public Viewing – Kanada spielt später gegen Südafrika. Dann geht es mit dem Seabus wieder auf die andere Seite.





Diesmal biegen wir gen Westen ab, wir wollen den Stanley Park erlaufen. Dabei dauert es schon eine Weile, bis man überhaupt bis zur grünen Halbinsel kommt. Der Stadtpark wurde 1886 angelegt und bietet vor allem sagenhafte Natur, wunderschönsten Wald. Auf dem Weg dahin bewundern wir das schicke Westend, das eine sehr coole Mischung aus sehr grün und sehr modernen Wolkenkratzern bietet.






Wir stellen fest, dass die Wasserflugzeuge beim Starten ziemlich viel Lärm machen. Noch recht am Anfang des Parks sind die Totempfähle, die auch viele Busse anlocken. Danach wird es ruhiger. Zunächst führt unser Weg am Wasser entlang, wir sehen die knallgelben Schwefelhügel im Industriegebiet, eine Meerjungfrau im Nationaltrikot, zahllose Radfahrer und ein sehr schnelles Polizei-Boot. Um 11.30 Uhr haben wir die ersten 10.000 Schritte zurückgelegt.









Nach einem Stopp an einem Imbiss entscheiden wir, dass wir bis zum Prospekt Point ganz im Norden des Parks gelangen wollen. Unter der Lions Gate Bridge, neben dem Leuchtturm, bewundern wir lilafarbene Seesterne. Nur die Buckelwale und Orcas, die hier oft zu sehen sind, legen gerade heute Mal eine Pause ein. Da kann die Reiseleitung noch so lange sehnsüchtig aufs Meer starren… Hoch geht es zum Café, in dem die Aussicht besser ist, als der Kaffee. Wunderbare Sicht, Touristen aus der ganzen Welt genießen den Ausblick. Spontan entscheiden wir, zum Second Beach zu laufen, das sind ja nur knapp 3 Kilometer. Der Wald ist ganz anders, als in Deutschland oder in Ost Kanada – Baumriesen, Schachtelhalme, Farne und dazu dieses kleine Kribbeln im Bauch, weil hier ja Schwarzbären wohnen. Die sind aber glücklicherweise gerade wohl mit den Orcas baden und nicht zu sehen.





Am Second Beach gibt es ein 26 Grad warmes Schwimmbad und den eher rauen Strand. Stände verkaufen koreanische Snacks wie Corndogs, direkt nebendrand sind Blaubeeren und Himbeeren aus Kanada im Angebot. Auf der Hinweistafel mit Temperaturen und Ebbe-Zeiten wird auch direkt am kanadischen Team zum Sieg gratuliert. Am Meer entlang geht es weiter zur English Beach – ob das Alkoholverbot auch gilt, wenn nicht gerade WM ist? Die ikonischen 14 Figuren von A-maze-ing Laughter haben auch ihre Trikots an und sind ein sehr beliebtes Fotomotiv.








Langsam geht uns die Laufmotivation aus. Ein Uber mit einem sehr gesprächigen jungen Fahrer, Familie aus dem Nahen Osten, bringt uns auf Granville Island. Der Inselstadtteil ist mit großen Brücken mit der restlichen Stadt verbunden und hat sich von einem Industriegebiet in ein hippes Viertel mit angeblich viel Kunst, sichtbar viel Nippes verwandelt. Aber wir haben wenig Zeit zum erkunden, die Füße schmerzen etwas und der Jetlag schlägt zu. Der beste Moment, um etwas herumzuirren, bis man den Fährableger findet. Mit einem der lustigen kleinen Wassertaxis von False Creek Ferries – für solche Tipps lohnen sich die Reiseführer im Gepäck – fahren wir über den Meeresarm. Diesmal blicken wir von der anderen Seite auf das schicke Westend, staunen über die geparkten hochmotorisierten Polizeiboote und kommen am Science Center – jetzt ein großer Fußball – und am Stadion vorbei. Dort steigen wir vorzeitig aus. Eine sehr gute Idee von Kilian, denn sonst hätten wir wieder das Dilemma gehabt, wie wir von Granville Island wegkommen.







Auf dem Weg zum Seabus geraten wir in die Fanmeile in der Granville Street. Der kanadische Sieg ist inzwischen schon ein paar alkoholgeschwängerte Stunden her und die Stimmung ist aufgeheizt. Kanadier jeglicher Herkunft feiern sehr laut, sehr ausgelassen und man muss sagen, dass die Menschen mit arabischem Hintergrund beim Tanzen auf jeden Fall vorne liegen. Laut kann der Rest auch, während pünktlich um 18 Uhr eine kleine Fangruppe zwischen großen Fußbällen gen Mekka betet. Absolut faszinierend. Auch, was die unglaublich große Polizeipräsenz angeht. Größtenteils stehen die Polizisten hochkonzentriert zusammen und werfen einen kritischen Blick auf die feiernden Massen, manche zücken jedoch ihre Mobiltelefone und filmen – wohl eher für den privaten Gebrauch. Eine einzigartige Erfahrung, aber wir trotzdem froh, als wir heile wieder durch vergleichsweise leere Straßen ziehen. Noch kurz zum TouristenAnziehungspunkt der historischen Dampfuhr, die angeblich alle 15 Minuten eine Melodie spielt. Heute geht sie irgendwie vor oder nach und stößt nur kleine Dampfwölkchen aus, Melodie ist aber nicht. Danach geht es zum Seabus, noch eine kleine Einkehr in der Foodhall am Hafen – und mit dem Uber den Berg hoch. 25 Kilometer zu Fuß waren genug. Um 21.30 Uhr liegen wir im Bett.







