Reif für die Insel

Mittwoch, 1. Juli 2026

Canada Day! Es ist der Nationalfeiertag mit Paraden, Konzerten, usw, allerdings bekommen wir davon nichts mit: Es ist ein Reisetag, der nunmal genau auf diesem Termin liegen musste. Um 9 Uhr verlassen wir die Ferienwohnung. Noch ein kleiner Plausch mit dem Vermieter Ryan über den Gartenzaun: Der gebürtige Australier stammt aus der Gegend südlich von Sydney und hatte noch nie ein Bärenspray. Schwarzbären sind eigentlich freundlich und gechillt, im Herbst hatten sie auch schon welche im Garten. Grizzlys hingegen sind eine andere Nummer, wie Krokodile – das nehmen wir Mal so mit.

Es geht einmal quer durch die Stadt, vorbei an einem großen Sikh-Tempel. Und an einer griechisch-orthodoxen Kirche, bei der im Innenhof schon ein großes Fest mit Zelt vorbereitet wird. Ansonsten ist wegen des Feiertags kaum Verkehr, wir sind schon eine Stunde vor der Abfahrt am Tsawwassen-Fährableger. Dort gibt es sogar einen kleinen Markt mit Essen, Nippes, Klamotten, Totempfahl. Die Reiseleitung verpflichtet die Truppe zum Essen – was zumindest bei den Teenager nicht allzu schwer ist – , damit nicht wieder gleich auf der Fähre das Bistro gestürmt wird. Und heiß und fettig am Morgen (Jumbo-Hotdog und Pizza) hält dann auch wirklich lange an, vor allem, wenn dann noch Kaffee und süßer Kleinkram dazu kommen.

Die Fahrt nach Vancouver Island dauert eineinhalb Stunden und auf der Strecke ist ziemlich viel Schiffsverkehr. Erst geht es nur über die Meeresenge, doch dann geht es gleichsam durch kleine Schären durch, die Fähren begrüßen sich gegenseitig mit ohrembetäubenden Hupen und zahlreiche Hunde chillen auf dem extra Haustierbereich an Deck. Und schon sind wir auf der Insel.

Da wir noch etwas Zeit haben, bis wir in die Ferienwohnung können, steuern wir die Butchart Gardens an, eine der Hauptattraktionen der Region. Das kostet uns zusammen satte knapp 100 Euro, aber die Gärten sind auch absolut sehenswert. Die Gattin eines reichen Minen- und Zementwerkbesitzers, Jenny Butchart, legte 1904 den sogenannten versunkenen Garten an, es folgten ein Rosengarten, ein japanischer Garten und so weiter. Beim Enkel kam dann noch ein schönes Wasserspiel dazu.

Das alles steht in knallbunter Blüte, ist ausgesprochen ästhetisch und entsprechend gut besucht. Wir lassen uns viel Zeit, die man allerdings auch braucht, schließlich stehen meistens ausgesprochen gut gekleidete asiatische Damen im Bild. (Oft in Bekleidung eines gleichaltrigen Herrn, gerne auch Senior, der dann darauf achten muss, dass das auch alles passt).

Auf dem Weg zur Ferienwohnung halten wir an einem Whole Food, einem riesigen Bio-Supermarkt mit wirklich sagenhaftem Angebot, das allerdings auch seinen Preis hat. Danach geht es für einen Nachmittagssnack zur Fast-Food-Kette A & W, wobei Nicole sich verweigert und ihren frisch erstandenen Spinat mit Tofu auspackt. Unfassbar peinlich, findet ein Teenager, fast so schlimm, wie zwei unverpackte (!!) Flaschen Weißwein über den Parkplatz zu tragen, was kurz darauf passiert.

Unsere neue Ferienwohnung ist klein, fein und steht unter dem Motto Bären. Wobei es eine feine Ironie hat, dass ausgerechnet im Schlafzimmer der Bärenängstlichen auf dem Monitor gerade Bärenszenen aus dem Wald laufen …

Wir legen eine längere Pause ein, entscheiden uns dann gegen die Canada-Day-Feierlichkeiten in Victoria (gut, da wollte sowieso nur eine hin) und fahren noch eine Runde ans Meer. Dort zieht es kühl und wir verweilen nicht lange, aber …. Tataaaa: Wir sehen einen Weißkopfseeadler! Was immerhin eine kleine Entschädigung dafür ist, dass es bisher weder eine Orca-, noch eine Walsichtung gab. Während wir fröstelnd wieder im Auto sitzen, strömen die Kanadier übrigens in Hot Pants und mit leichten Schälchen um die Schultern an den Strand, um den Feiertag zu begehen. Derweil fahren wir zurück in die Ferienwohnung, kochen noch etwas Kleines und kuscheln uns um den Minitisch. Morgen soll es bei 15 Grad nieseln.