Lavendelduft statt Orcas

Freitag, 3. Juli 2026

Der Nachwuchs unserer Vermieter, zwei Kleinkinder, hat Energie. So viel Energie, dass nach Beschwerden von Ferienwohnungsmietern sogar Ohropax bereitliegt. Wir lächeln über die lärmenden Kids und fragen uns nur: Haben die da oben vielleicht eine Bobbycar Rennstrecke…? Egal wie, wir starten ruhig in den Tag und ziehen erst gegen 10.30 Uhr los.

Erste Station: Die Bliston Creek Lavender Farm, klein, aber fein. Für einen kleinen Eintritt kommt man auf das Gelände. Alte Apfelbäumen, eine Getränkekarte voller Lavendel-Getränke, alte Spiele – die von wirklich allen Besuchern ausprobiert werden – und Lavendelfelder in voller lila Blüte. Wunderschön. Das Gelände ist zwar übersichtlich groß, aber wir verweilen lange. Da kann man beobachten, wie der alte, portugisische Destillator befüllt wird. Oder einer Jazz-Stimme auf der Bühne – ohne Publikum – zuhören, während ein Reh grast. Idylle pur.

Danach zuckeln wir die Küste entlang und kehren zum späten Mittagessen bei Shirley Delicious ein. Das Café liegt neben der Bundesstraße, ziemlich im Nichts, und wird von einer (mindestens) zehn Frauen starken Truppe betrieben. Die Schlange reicht bis auf die Straße, kurz vor 14 Uhr schließt die Chefin resolut die Tür: Nur bis hier gibt es warmes Essen. Die leckeren Sandwiches und der Burrito sättigen dann auch für den restlichen Tag.

Weiter geht’s zum Sherington Point Leuchtturm. Dieser wurde 1912 erbaut, nachdem es sechs Jahre vorher mangels Orientierung ein großes Schiffsunglück an dieser schmalen Meerestraße zwischen Kanada und den USA gegeben hatte. Die Berge auf der gegenüberliegenden Seite gehören übrigens zum Olympic Park im US-Bundesstaat Washington. Der Leuchtturm wurde in den 1980ern automatisiert und 1989 außer Betrieb genommen. Inzwischen kümmert sich eine kleinen Gesellschaft darum, dass das Kulturgut erhalten bleibt. So wurde zum Beispiel in einem kleinem Gebäude die historische Linse wieder zusammengebaut. Und woher wissen wir das alles? Weil ein reizender über-80-jähriger Brite unter anderem diese Linse hütet und uns alles, wirklich alles, darüber erzählt hat. Inklusive eines Fotos vom historischen Schiff, das ihn 1946 mit seinen Eltern von Liverpool nach Halifax gebracht hat und vielen Fotos von uns, da er uns vor unterschiedlichen Hintergründen arrangiert hat. Orcas ließen sich natürlich im Meer keine blicken, Buckelwale auch nicht.

Wir fahren noch ein kleines Stückchen weiter zur French Beach. Die Straßen sind gesäumt mit Hinweisschilder, die bitten auf Hühner oder Wildlife insgesamt oder Bären im Besonderen Rücksicht zu nehmen. Tatsächlich sehen wir viele Rehe in unmittelbarer Nähe zur Straße. Am French Beach treiben sich angeblich gerade auch Otter herum, die man – so der Hinweis – doch bitte in Ruhe lassen soll. Wir haben sie nicht gesehen, dafür haben wir auf das Meer geschaut, bis es uns zu kalt wurde.

Auf dem Rückweg nach ein Stop im Nationalpark der Wasserlöcher (Potholes) nahe dem Örtchen Sooke. Die vielen Parkplätze sind oft überfüllt und der Campingplatz an diesem Abend auch ausgebucht. Doch als wir dort sind, sind nur noch wenige andere Wanderer da. Klares Wasser, wieder ein traumhafter Wald und eine Reiseleitung, die nervös alle paar Meter in die Hände klatscht und damit ihre Truppe ziemlich entnervt. Aber Bären und Berglöwen sollte man nicht unterschätzen, dafür muss man auch Opfer bringen. Die Kanadier sind übrigens allesamt ohne Bärenspray und sehr entspannt unterwegs, eine Gruppe Mädchen ist sogar im eisigen Wasser baden.

Noch ein Tortellini-Einkauf im Supermarkt und dann Abendessen zuhause. Morgen ziehen wir schon wieder weiter.